Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern
Selbstständigkeit, Verantwortung und Gemeinschaftssinn sind für Kinder in der heutigen Zeit unbeschreibbar wichtig. Dabei scheint es für viele Eltern immer schwerer zu werden, Kinder zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu entwickeln. Oftmals hört man von ihnen, dass Kinder respektlos gegenüber anderen Mitmenschen sind oder bestimmte Dinge nicht alleine bewältigen können. Teilweise kommt dieses Verhalten sogar gegenüber den Eltern zum Vorschein, wenn eine einfache Aufgabe, wie z.B. den Tisch abwischen oder das Kinderzimme aufzuräumen, zu regen Diskussionen einlädt. Man denkt sofort, dass das Kind Verantwortung übernehmen und den Sinn für ein gemeinschaftliches Leben entwickeln muss. Doch aller Anfang ist schwer.
Was bedeuten eigentlich die Begriffe Eigenverantwortlichkeit und Gemeinschaftsfähigkeit und ab wann sollte man Kindern diese Werte vermitteln? Zunächst einmal sollte man Kindern bereits so frühzeitig wie möglich diese Werte vermitteln. Kinder nehmen die Umwelt um sie herum sehr aktiv wahr. Dazu zählt anfangs insbesondere das Familienleben und welche Umgangsformen dort herrschen. Nicht umsonst heisst es immer wieder: Erziehung fängt zu Hause an! Eltern prägen ihre Kinder von Geburt. Dies gilt ebenso für die Eigenverantwortlichkeit und die Gemeinschaftsfähigkeit. Ein harscher Umgangston am Tisch führt nicht unbedingt zu gesitteten Tischmanieren. Wenn nur einer den Tisch immer selbst abräumen muss und sich der Rest der Bande verkrümeln darf, wird selbst das kleinste Familienmitglied schnell begreifen, dass das ganz normal sei.
Um Eigenverantwortlichkeit zu fördern, sollte man seine Kinder so oft wie möglich selbst etwas machen lassen. Kinder brauchen Freiräume, um sich zu entfalten zu können. Freiraum bedeutet aber nicht, dass ein Kind machen kann, was es will sondern das ein Kind auch sein Grenzen kennt und erfährt. Das Kind soll am Ende in der Lage sein seine eigenen Grenzen richtig abzuschätzen. Zur Förderung der Eigenverantwortlichkeit muss ein Kind so akzeptiert werden, wie es ist. Dadurch wird das Selbstwertgefühl des Kindes unterstützt. Die Entwicklung von Eigenverantwortlichkeit umfasst ebenso die Begriffe Selbstständigkeit, Selbstsicherheit und Selbstvertrauen. Dabei muss das Kind auch den Umgang mit Frustration erlernen. Schließlich klappt im späteren Leben auch nicht immer alles auf einmal. Da hilft es auch, den Tisch gemeinsam zu decken und abzuräumen, das Essen gemeinsam zuzubereiten -auch wenn das manchmal länger dauert, oder den Familienausflug gemeinsam mit den Kindern zu planen.
Eigenverantwortliches Handeln können Eltern unterstützen, indem sie ihre Kinder ermutigen etwas zu tun und ihnen Anerkennung und Lob zukommen lassen. Dabei sollte man einfach Floskeln wie “Du schaffst das schon!” nicht wahllos verwenden. Sprache ist ein Lernfaktor. Genauso wie Ironie oder Sarkasmus erst auf Dauer verstanden werden, impliziert ein direktes Lob bei Kindern unter Umständen sogar das Gegenteil, wenn das Kind das erreichte Ziel vielleicht doch nicht erreicht. Demotivation muss vermieden werden, denn dann ist die Frustration um so höher. Natürlich möchte man das Kind loben und ermuntern, ein Ziel zu erreichen und etwas zu schaffen, doch andere unterstützende Aussagen zur Motivation sollten selbst bei den Eltern im täglichen Sprachgebrauch vorhanden sein. Wichtiger ist, dass man dem Kind vertraut und es dieses auch spüren lässt. Dafür kann man Kinder gezielt Aufgaben geben oder sie um Hilfe bei etwas bitten. Selbst kleine Kinder sind bereits in der Lage einfachen Anweisungen zu folgen wie z.B. “Gibst du mir bitte das Buch?” oder “Holst du bitte dein Schuhe?”. Gerade bei kleinen Kindern ist es wichtig kurze Anweisungen zu geben, da sie sich eine Reihe von Anweisungen noch nicht merken können und dadurch einfach überfordert fühlen.
Auch gehört zum Thema Eigenverantwortlichkeit, dass ein Kind das Entscheiden lernt. Dabei fragt man das Kind nicht “Was möchtest du heute tun?”. Das Ergebnis kennen viele Eltern nur zu gut: Entweder der kleine Spross möchte alles auf einmal machen – oder das Kind wählt genau das, was die Eltern gerade gar nicht wollen. Besser ist es, man konfrontiert das Kind mit zweierlei Möglichkeiten. Eine Wahloption ist einfacher und kann ein Kind nicht so schnell überfordern. Man sollte Kindern daher immer zwei bis drei Alternativen zur Verfügung stellen, aus denen es wählen kann.
Bei der Gemeinschaftsfähigkeit handelt es sich darum, dass Kinder gegenseitigen Respekt füreinander entwickeln und auch anderen Menschen gegenüber. Dazu zählen essentielle Dinge, wie keine Handgreiflichkeiten, dafür höfliches Verhalten, sich gegenseitig zu helfen und teilen zu lernen. Aber auch das Erlernen einer gesunden Streitkultur fällt unter Gemeinschaftsfähigkeit. Nicht nur das richtige Streiten steht dabei im Fokus, sondern das sich vertragen, andere Meinungen zu akzeptieren und sich auch mal durchsetzen zu können gehören dazu. Es handelt sich somit um Grundwerte der Erziehung, die Kinder erlernen müssen. Dabei spielt auch die Vorbildfunktion der Eltern eine Rolle, die Kinder dann für sich übernehmen. Kinder übernehmen viel von ihren Eltern und fühlen sich ebenso verletzt, wenn sie Kritik erfahren. Aber auch das vergleichende Werten zählt zur Gemeinschaftsfähigkeit, was Kinder in der Regel zuerst von ihren Eltern erlernen. Für die Entwicklung von Gemeinschaftsfähigkeit müssen Kinder auch Grenzen akzeptieren. Sie müssen ihre eigenen Grenzen kennen um dann auch gesellschaftliche Grenzen und Regeln akzeptieren und einhalten zu können.
Es ist sicherlich nicht immer einfach an all diese Dinge zu denken. In fraglichen Situationen sollte man als Eltern vielleicht auch mal inne halten und sich seiner Vorbildfunktion bewußt sein. Dann kann man sich in Ruhe fragen: wie möchte ich das mein Kind in dieser Situation angemessen reagiert? Und man erreicht als gutes Vorbild oftmals vielmehr als nur mit leeren Worten.


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