Elternbett
Das Elternbett, auch unter der Bezeichnung “Familienbett” bekannt, bedeutet bei der Erziehung eine gewisse Herausforderung sowohl für Eltern als auch ihre Kinder. Wie in allen Bereichen der Kindererziehung spalten sich hier die Lager in Befürworter und Gegner. Ich möchte betonen, dass wir persönlich zu den Befürwortern des Elternbettes zählen, obwohl meinem Mann und mir diese wichtige Fragestellung bei der Geburt unseres ersten Kindes zuerst nicht im Raum stand. Aber fangen wir einmal vorne an: Sollte ein Kind im Bett der Eltern schlafen?
Viel zu oft sind die Gegner dieser Frage der Ansicht, dass die gemeinsamen Nächte im Bett der Eltern dem Kind bei der Entwicklung von Selbstständigkeit schaden könnte. Außerdem wird im gleichen Atemzug kritisiert, dass das Kind unter der Hitze der elterlichen Bettdecken leiden könnte. Ganz zu schweigen von der Intimssphäre, die das Kind seinen Eltern nimmt. Ein weiteres Argument bedient sich der klassischen Rollenaufteilung von Beruf und Familie, denn schließlich könnte das Kind den Ehemann beim Schlafen stören, der seiner beruflichen Tätigkeit am Tage nachgehen muss. Andere Argumente gegen das Elternbett bedienen sich an den Ängsten, dass die Eltern ihre Kinder nicht mehr aus dem Ehebett heraus bekommen, das Ehebett sei bereits schon zu eng oder Eltern hätten Angst davor, ihr Kind im Schlaf einfach zu erdrücken. So viel zu den viel gerühmten Argumenten der Gegner zum Thema Elternbett. Doch sind diese Begründungen gegen das Familienbett wirklich stichhaltig?
Moderne Familien leben in einer modernen Umwelt, die ganz individuelle Herausforderungen an unser Leben stellt. Nach meiner persönlichen Ansicht und auch aufgrund der mir von vielen Gesprächen mit anderen Eltern bereits bekannten Diskussionen finde ich diese Argumentation gegen das Elternbett schlichtweg altmodisch. Gehen wir dafür jeder einzelnen Frage auf den Grund.
Kann man einem Neugeborenem, einem Säugling oder einem Baby bereits Selbstständigkeit voraussetzen? Weit gefehlt, denn im Prinzip stellt ein Neugeborenes ein noch unfertiges Lebewesen dar. Im biologischen Sinn und auch ethisch gesehen ist das Kind selbstverständlich vollkommen, aber in der Frage nach der Entwicklung seiner Psyche und allen Facetten seines Geistes ist auf grundlegenden Bausteine angewiesen, die ihm seine Eltern über die Jahre hinweg beibringen und im Reifeprozess vermitteln.
Man sollte sich hierbei überlegen, dass das Kind bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft gut 40 Wochen im Leib der Mutter verbracht hat. Es hatte die Nähe und Wärme der Mutter permanent um sich. Dabei hörte es sehr deutlich den Kreislauf der Mutter arbeiten, am stärksten dabei ihren Atem und ihren Herzschlag. Bei der Geburt wird das Kind diesem vertrauten Umfeld entzogen und förmlich in eine kalte Welt ohne die kuschelige Umgebung eingeführt. Sollte man nach der Geburt von einem Baby wirklich direkt verlangen, alleine in seinem Bettchen zu schlafen?
Nein, denn das eigene Bettchen ist fremd, viel zu groß und das Kind liegt alleine. Das Elternbett bietet dem kleinen Neuankömmling zumindest in der Nacht noch ein gewisses Maß an Nähe zur Mutter. Dies festigt die Beziehung zu den Eltern, denn auch der Vater kommt hier zum Zuge, was ebenso wichtig für die emotionale Entwicklung des Kindes ist. Selbstbewusste und selbstständige Kinder entstehen in der Regel dann, wenn sie sich von ihren Eltern jederzeit geliebt und beachtet fühlen. Dafür brauchen Kinder diese Nähe, die früher auch als Nestwärme bekannt war, insbesondere in den ersten Lebenswochen. Eltern müssen keine Angst davor haben, dass sie ihrKind im Schlaf erdrücken könnten. Einerseits erdrückt man im Ehebett seinen Partner auch nicht einfach im Schlaf, andererseits würden Eltern sich nicht über ihr eigenes “Fleisch und Blut” legen. Als zusätzliche Regel sollte gelten, dass beide Ehepartner z.B. keinen Alkohol zu sich nehmen oder noch eine Zigarette rauchen, bevor sie mit dem Kind im Ehebett kuscheln. Der von den Eltern ausgehende Geruch prägt bereits das Kind und wirkt sich störend auf die Entwicklung aus, aber bei verantwortungsbewussten Eltern sollte diese Frage nach der Nüchternheit auch kein Thema sein.
Die mit dem Erdrücken verbundenen Geschichten sind typischerweise Erfindungen, wenn nicht gar Urbane Mythen. Diese Fälle von Erdrücken kommen vor, wenn übermastete Schweine in engen Zuchtkäfigen kaum Platz haben, und sich daher auf einzelne oder mehrere ihrer eigenen Ferkel legen. Hektik, Stress und die Enge der Käfigboxen tragen ihr übriges dazu bei. Was man im Tierreich beobachtet, findet sich im ruhigen Elternbett nicht wieder, doch viele Menschen glauben wohl, sie verhielten sich wie die Schweine in Zuchtkäfigen. Doch weil wir hier nicht über Tischmanieren, sondern über das Elternbett als wahren Vorteil für die Entwicklung der Kinder sprechen, lassen wir den Vergleich mit der Tierwelt bis auf weiteres ruhen.
Bei der Frage nach der Hitze im Ehebett gilt zu beachten, dass Kinder nicht unter zahlreichen Bettdecken versteckt werden dürfen. Auch heizbare Matratzen müssen abgeschaltet bleiben. Das Kind durch die eigene Bettdecke zu überhitzen ist ebenfalls unwahrscheinlich, da kleine Kinder üblicherweise nicht mit einer Bettdecke schlafen, sondern in einem speziell für sie entwickelten Schlafsack nächtigen sollten. Sofern es bei einem offenen Fenster im Winter nicht zu kalt oder im Sommer zu zugig war, haben wir die Kinder nie mit unserer Bettdecke zugedeckt, sondern sie nur mit ihrem Schlafanzug im Schlafsack schlafen lassen. Als Eltern entwickelt man schon ein Gefühl dafür, ob dem Kind zu warm ist oder nicht. Ein einfaches Abtasten der Stirn oder des Nackens reicht aus, um ein gutes Gefühl für die Körpertemperatur des Kindes zu erhalten. Daran können Eltern leicht abschätzen, ob die Temperatur zu heiß, zu kalt oder genau richtig ist.
Das beste Argument gegen das Elternbett ist jedoch die Sorge nach der elterlichen Intimsphäre. Kuscheln, Streicheleinheiten und körperliche Liebe zu jeder Zeit im Schlafzimmer… sind wir doch einmal ehrlich miteinander: Die Intimsphäre ist schon mit der Geburt eines Kinder weitestgehend hinfällig. Wenn sich Eltern bewusst für ein Kind entscheiden, dann entscheiden sie sich auch dafür, ihr ganzes Leben mit dem Kind zu teilen. Dazu gehört es ebenso, dass man gewisse Abzüge vom Leben zu zweit machen muss, denn man ist ab sofort zu dritt oder mehr. Als alternative Lösung bietet sich für die Eltern an, unter Umständen ihre Intimsphäre einfach anders ausleben. Nicht umsonst haben viele Eltern zwei oder mehr Kinder trotz des gemeinsamen Familienbettes.
Auch bei der Frage nach Beruf und Familie scheiden sich die Geister. In Deutschland ist diese Frage immer wieder von altbackenen Werten und Traditionen überschattet. Die Frauen spielen heute nicht die Rolle der Mutter am Herd. Wie bereits eine Werbung suggerierte: Frauen sind heutzutage erfahrene Familienmangerinnen mit einem 80 Stunden Job. Doch in Deutschland möchte die Gesellschaft den Brückenschlag nicht wagen, wie es in anderen europäischen Ländern bereits Gang und Gäbe ist. Genügend Frauen arbeiten und haben Kinder. Auch gehören bekanntlich immer zwei zur Zeugung eines Kindes – in der Regel Mann und Frau. Als moderne Familie teilen wir die dazugehörigen Pflichten, so fern dies hinsichtlich Beruf und Familie möglich ist. Die Frage nach dem Schlaf des Mannes und selbiger Störung durch das Elternbett ist im Prinzip sogar geringer, wenn das Kind im Elternbett schläft, als wenn es in seinem eigenen Bett schläft. Im eigenen Bett fängt das Kind eher an zu schreien und als Mutter muss man dann erst zum Kind laufen, um es zu beruhigen. Bei Abwechslung dieser Aufgaben wird der Mann genauso wach und hat einen noch unruhigeren Schlaf. Im Ehebett hingegen fällt das Stillen einfacher und schneller, so dass Mütter bei der ersten Unruhe des Kindes in der Regel relativ schnell reagieren und der Mann einfach weiter schlafen kann. Männer sind einfach so veranlagt und haben einen verhältnismäßig tiefen Schlaf, egal welcher Mann. Zudem sind ausgeruhte und entspannte Mütter ebenso wichtig für ein Kind, denn Babys reagieren bekanntlich sehr empfindlich auf die Gefühlslage der Mutter. Zudem ist das Kümmern um die kleinen Zwerge eine ebenso herausfordernde Aufgabe, wie einer beruflichen Tätigkeit nach zu gehen. Hier arbeitet der Mann in der klassischen Rollenverteilung nur 40 Stunden mit Mittagspausen pro Woche, während die Mütter die 80 Stunden am Stück durcharbeiten müssen.
Zu guter Letzt lässt sich feststellen, dass es beim Prinzip des Elternbettes nicht darum geht, die Kinder auf immer und ewig im Ehebett schlafen zu lassen. Vielmehr kann das Kind schrittweise an sein eigenes Bett gewöhnt werden, ohne den wichtigen Kontakt zu den Eltern während der Nacht zu verlieren. Ungefähr ab dem sechsten Lebensmonat sollte jedes Kind zunehmend in seinem eigenen Bett die Nacht verbringen. In dem Alter entwickeln die Babys oftmals die Fähigkeit der Selbstregulierung sowie sich dauerhaft an Dinge zu erinnern, was auch die Objektpermanenz betrifft. Ab wann ein Kind vollständig alleine im eigenen Bett schlafen kann, hängt also auch von seiner kognitiven Entwicklung ab. Dies bedeutet ebenso für die Eltern, dass sie ab einem bestimmten Punkt konsequente Schlafregeln einführen müssen. Auch Geduld wird sehr oft von den Eltern abverlangt werden, um das Kind nun endgültig an sein eigenes Bettchen zu gewöhnen. Wenn dieses Ziel erreicht ist, haben alle am Ende eine friedliche Nacht.
Das Elternbett bringt durchaus Vorteile mit sich. Wichtig ist am Ende auch, dass alle Parteien mit der jeweiligen Lösung zufrieden sind.Ich freue darüber mich, wenn ihr als meine Leser in den Kommentaren über eure eigenen Erfahrungen zu diesem Thema schildert.


Unsere Mäuse haben alle 3 im Elternbett geschlafen. Geschadet hat es ihnen nicht. Zumal, da sie gestillt wurden, nicht lange warten mussten und es für uns alle wesentlich entspannter so war.
Und das allein, war für uns alle der größte Vorteil. Die Nächte waren entspannt und ruhig, was uns auch ruhige und entspannte Tage brachte.
Ich kann nur Vorteile aus einem Eltern-Kinderbett ziehen und finden. Würde es jederzeit wieder so machen.
Was das “Vorurteil” angeht, man bekäme sie nicht mehr ins eigene Bett. Das kann ich aus meiner Erfahrung vollkommen ausräumen. Man merkt, wenn sie älter werden, daß sie diese Nähe gar nicht mehr wollen oder brauchen und man trägt sie entweder nach dem Einschlafen rüber oder liest eben die Gute-Nacht-Geschichte schon im eigenen Bett vor. Problem gab es in der Hinsicht bei keinem meiner dreien.
Gruß
La_Loupina
Wir haben zwar unsere Kleine in den ersten Monaten auch im Kinderbett liegen gehabt (allerdings im Elternschlafzimmer) hatten später aber keine Probleme damit, wenn Tochterherz bei uns im Bett geschlafen hat.
Zugeben muss ich aber, das es dadurch sehr wohl einige Probleme gab. Als sie dann größer wurde und zu viel Platz beansprucht hat, war es schwierig ihr beizubringen in ihrem Bett zu schlafen.
Argumente bzgl. Intimität, Beruf oder die Gefahr, das Kind zu “überrollen” gab es aber nie.
Heute (sie ist 3 Jahre alt) schläft sie nach wie vor in unserem Zimmer, aber in ihrem Bett. Als “Belohnung” und Ausnahme darf sie ab und zu bei uns schlafen.