Entwicklung & Erziehung, Gesundheit & Ernährung

Tipps und Tricks für die Mahlzeiten von Kleinkindern

Viele Eltern mit Kleinkindern kennen das Problem: Sobald die Kleinen anfangen alleine zu Essen, endet nahezu jede Mahlzeit in einem Chaos. Als Eltern ist man der Verzweiflung nahe, da die Kinder die Anweisungen und Bitten der Eltern nicht verstehen bzw. nicht verstehen wollen. Ist ja schließlich nur Essen und was ist so schlimm daran, wenn dieses nach mühsamer Arbeit überall verteilt rumliegt? Das ist die schlechte Nachricht beim Thema alleine Essen lernen.

Die gute Nachricht ist, dass die Eltern Maßnahmen ergreifen können, die ihnen helfen das Chaos besser zu managen. Mit ein bisschen Übung und den richtigen Tricks kann man dann entspannter an die nächste Mahlzeit rangehen.

Kleinkindmahlzeiten sind chaotisch

Kleinkindmahlzeiten bei welchen die Kleinen unbedingt alleine essen wollen, enden oftmals in einem chaotischen Zustand. Dabei ist es unabhängig, ob sie mit den Händen oder mit Besteck essen. Während der Mahlzeit landet ein Teil davon in den Mund. Dies ist der Ort, an welchem die Eltern die ganze Mahlzeit sehen wollen. Leider gibt es hier eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität. So landet ein Großteil des Essens absichtlich oder unebwusst entweder auf dem Fußboden, im Hochstuhl selbst, auf dem Lätzchen oder wird im Gesicht verteilt.

Am Ende hilft das ganze Gejammer nicht, selbst wenn es manchen Eltern den letzten Nerv raubt. Das selbstständige Essen lernen ist Teil einer gesunden, normalen Entwicklung. Durch diese Phase müssen die Kleinkinder ebenso durch wie die Eltern. Es können Monate oder gar Jahre vergehen, bis das selbstständige Essen ohne große Probleme klappt. Essen lernen ist aus motorischer und kognitiver Sicht gesehen eine große Herausforderung für die Kleinen. Sie müssen lernen, wie sie das Essen vom Teller in den Mund bekommen. Das Löffeln von Suppe verlangt ihnen eine andere Technik ab als das Essen von Brot oder Nudeln.

Zudem muss jedes Essen anders gekaut werden. So muss man vom Brot abbeissen, um es Essen zu können, Nudeln sind weich zu kauen, Suppe wird geschluckt, Himbeeren können im Mund einfach zerquetscht werden usw. Dies sind nur einige Beispiele und je mehr man darüber nachdenkt, um so mehr kommt man zu der Erkenntnis: Richtig essen lernen, so wie es die Gesellschaft heutzutage verlangt, ist gar nicht so einfach. Somit ist das Chaos bei selbstessenden Kleinkindern nicht mehr so verwunderlich.

Größe und Menge des Essens sind entscheidend

Das Essen sollte für Kleinkinder in einer mundgerechten Größe serviert werden. Hierzu bietet man den Kleinen entweder Nahrungsmittel an, die bereits von vorn herein problemlos in den Mund gesteckt werden können oder man schneidet das Essen in mundgerechte Stücke. Hierbei gilt, dass das Essen gut in die kleine Hand passt. Es sollte einfach zu halten oder zu greifen sein. Beispiele hierfür sind Käsewürfel, bestimmte Cerealien wie ungesüßte Cornflakes, geschnittenes Obst oder Spiral- bzw. Penne-Nudeln.

Zudem sollte man sparsam mit der Sauce umgehen. Bei Nudeln sollte nur so viel Sauce gereicht werden, dass diese dünn bedeckt sind. Dadurch sind die Nudeln beim Essen nicht so rutschig und das Kind kann sie besser greifen bzw. aufpicken. Außerdem minimiert der sparsame Umgang mit Sauce die Reinigungsarbeiten nach dem Essen.

Ratsam ist es zudem, die Kleinkindmahlzeit so trocken wie möglich zu halten. Zu flüssigen bzw. wässrigen Mahlzeiten wie z.B. Joghurt oder Apfelmus kann man Cerealien hinzufügen. Dadurch wird die Konstinenz klebriger und rutscht schwerer vom Löffel herunter. Andere selbst zubereitete Lebensmittel wie z.B. Reis kann man klebriger zubereiten, in dem man weniger Wasser beim Kochen dazu gibt.

Der Teller sollte nicht übermäßig befüllt werden. Dies hat verschiedene Gründe. Sobald das Kind satt ist, wird es durch das restliche Essen zum Spielen verleitet. Eine zu große Protion kann das Kind zudem entweder überfordern und es fängt an damit zu spielen oder es isst alles auf, um seine Eltern glücklich zu machen, was aber dauerhaft in Übergewicht enden kann und bei den meisten Kindern eher selten vorkommt.

Prinzipiell gilt es dem Kind seine Mahlzeiten dann zu reichen, wenn es wirklich Hunger hat. Ansonsten endet man wieder bei dem Problem, dass das Kind lieber mit dem Essen spielt. In der Regel pendeln sich feste Essenszeiten ein. Es wird aber ebenso Tage geben, an denen das Kind mal weniger und mal mehr isst.

Auf das Zubehör kommt es an

Die Mahlzeiten sollten die Kleinen immer im Hochstuhl einnehmen. Dies hat den Vorteil, dass der zu reinigende Bereich eingegrenzt wird. Die meisten Hochstühle sind so konstruiert, dass sich ein Großteil des Essens nach der Mahlzeit in ihm finden lässt. Selbst ein trockenes Brötchen oder ein Keks auf die Hand sollten im Hochstuhl verzerrt werden, da sie sonst überall Krümmel hinterlassen und kleine Reste voll gespeichelt am Boden oder gar an der Wand kleben bleiben. Je nach Fußboden sollte man darüber nachdenken, ob man unter den Hochstuhl eine Plastikmatte, ein Bettlaken oder eine Decke zwischen Fußboden und Hochstuhl plaziert, um so das herunter fallende Essen “auf zu fangen”.

Als Geschirr sollte man Teller und Schüsseln verwenden, die einen Anti-Rutsch-Boden aufweisen. Manche haften sogar auf dem Tisch, was einen sicheren Stand des Geschirrs noch verstärkt. Die Verwendung von diesem Geschirr ermöglicht – wie bereits erwähnt – einerseits einen optimalen Stand und sicheren Halt, wodurch das Essen einfacher wird. Anderseits ist die Versuchung bei den Kleinen geringer den Teller oder die Schüssel absichtlich mal auf den Boden fallen zu lassen.

Aber auch das Besteck sollte den Bedürfnissen von Kleinkindern angepasst sein. Die Griffe sollten nicht zu mächtig für die kleinen Hände sein, aber ausreichend dick, um sie gut greifen zu können. Die Essflächen von Löffel und Gabel sollten so gearbeitet sein, dass sie eine ausreichend große Fläche bieten, um das Essen leicht rauf zu bekommen. Es gibt mitterlerweile eine recht große Auswahl an speziell geformten Essbesteck, die sich an die Bedürfnisse von Kleinkindern orientieren.

Feedback geben und Hilfstellung leisten

Während des Essens sollte man seinem Kind Feedback geben. Dies gilt für positives als auch negatives Essverhalten. Wenn das Kleinkind artig ist und nichts runter wirft, sollte es ausgiebig gelobt werden. Als Eltern sollte man seinem Kind die Freude darüber zeigen. Da die Kleinen oftmals gerne ihre Eltern glücklich machen wollen, prägt sich dieses Verhalten positiv bei ihnen ein.

Ebenso wichtig wie das Feedback ist eine gute Hilfestellung. Diese sollte dann erfolgen, wenn das Kind mit dem Essen wirklich zu kämpfen hat. Hierbei sollte man seine Kinder erst Fragen, ob sie Hilfe beim Essen wollen oder es doch lieber alleine versuchen möchten. Oftmals sind die Kinder beim Essen lernen in der “Ich mach alleine”-Phase und das produziert unnötige Wut bei ihnen. Das Ergebnis äußert sich dann unter Umständen in dem Umherwerfen von Essen und Besteck.

Das Ziel im Auge behalten

Trotz der Maßnahmen wird sich das Chaos beim selbstständigen Essen lernen von Kleinkindern nicht ganz vermeiden lassen. Selbst wenn es noch so frustierend sein kann, man ständig die gleichen Worte wiederholt und provokativ immer wieder versucht wird etwas fallen zu lassen, gilt das Motto: Tief durchatmen und ruhig bleiben. Viel wichtiger ist am Ende ja doch, wie viel von dem Essen tatsächlich im Mund gelandet ist und nicht daneben. Jeder kleine Erfolg ist am Ende ein Fortschritt. Eines Tages dann wird das Kind die Aufgabe des selbstständigen Essens bravourös meistern und die notwendigen Fähigkeiten an den Tag legen.

Persönlich stehen wir diese Phase zum zweiten Mal durch, wobei unsere Tochter doch recht schnell vernünftig essen gelernt hat. Bei unserem Sohn scheint sich das Thema jedoch ein wenig länger zu ziehen.  Oftmals versuche ich bei seinen Essversuchen auch einfach mal weg zu schauen in der stillen Hoffnung, dass er den Dreh bald raus hat. Und dann gibt es zwischendurch immer wieder die positiven Erlebnisse, wo brav gegessen wird ohne weitere Vorkommnisse. Besonders diese Mahlzeiten geben einem dann Kraft für die nächsten anstrengenden Versuche des Selber-Essens-Wollen auch wenn es nicht immer so klappt, wie es sollte. Irgendwann ist das Schlimmste überstanden und letztendlich liegt alles im Auge des Betrachters ;)

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