Kindern Lebensrettungsmaßnahmen beibringen
Mit seinen Kindern verbringt man viel Zeit, oftmals auch alleine. Häufig ist einer der Partner unterwegs oder man ist sogar alleinerziehend. In manch einer Situation kommt einem dann der Gedanke: Könnte mein Kind mir jetzt helfen, wenn mir etwas zu stößt? Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit kann nicht nur Kinder in Gefahr bringen. Die meisten Unfälle geschehen bekanntlich zu Hause. Ein Sturz von der Leiter oder einem Stuhl, eine Verletzung durch das Küchenmesser, Verschlucken am Essen, Ausrutschen in der Badewanne – dies sind nur einige Beispiele für mögliche Unfallgefahren in den eigenen vier Wänden.
Sicherlich sollte man sich nicht dauerend den Kopf darüber zerbrechen, was alles passieren könnte. Dennoch ist es hilfreich, wenn man seine Kinder für Notfallsituationen sensibilisiert. Das Wissen können sie sicherlich ebenso in anderen kritischen Situationen gut gebrauchen. Kenntnisse zum Thema “Erste Hilfe” sind immer hilfreich. Diese können bereits die Kleinsten erlernen. Aufmerksam wurde ich auf dieses Thema durch den Artikel “Teach your child to save a life“. Daher findet sich nachstehend eine Zusammenfassung zu diesem Thema, bereichert durch eigene Erfahrungen und Wissen.
Notrufnummer 112 wählen lernen
Der erste und wichtigste Schritt ist es seinem Kind die Notrufnummer 112 beizubringen. Kinder lieben in der Regel zu telefonieren. Die meisten von ihnen können mit drei bis vier Jahren ein Telefon bereits in den Grundfunktionen bedienen. Neben dem Bedienen eines Telefons müssen Kinder die Zahlen von 0 bi 9 unterscheiden können. Es ist somit ein leichtes ihnen das Wählen der Notrufnummer 112 bei zubringen. Wichtig ist es natürlich hierbei ihnen zu sagen, dass diese Nummer nur in einem Notfall gewählt werden darf.
Oftmals können Kinder instinktiv einschätzen, wann ein Notfall vorliegt. Zur Sicherheit können Eltern eine Liste mit den wichtigsten Nummern zusammenstellen und diese an einem Ort lagern, der für die Kinder zugänglich ist. Hierbei kann man dann die Notrufnummer dick und rot hervorheben, so dass sich diese von den anderen Nummern unterscheidet. Die Liste sollte jedoch nicht zu lang sein, damit das Kind nicht erst lange suchen muss. Die Liste kann hilfreich sein, falls das Kind die Notrufnummer in einer Gefahrensituation nicht sofort aus seinem Gedächtnis abrufen kann.
Richtig Handeln bei Erstickunsgefahr
Ein unachtsamer Moment beim Essen und schon hat man sich verschluckt. In der Regel läuft so etwas glimpflich ab, doch leider nicht immer. Für die richtige Hilfe beim Verschlucken muss ein Kind schon etwas mehr Kraft aufbringen. Kinder ab dem Schulalter sind in der Regel in der Lage bei Gefahr durch Ersticken richtig zu handeln, zumal ein wenig Wissen zur Anatomie notwendig ist.
Als erste Maßnahme wird empfohlen zunächst den Notdienst zu verständigen, sofern der Betroffene nicht von alleine wieder aufhört zu husten. Anschließend wird fünf Mal mit der flachen Hand kräftig zwischen die Schulterblätter gehauen. Nach jedem Schlag sollte überprüft werden, ob sich der Fremdkörper im Mund befindet.
Hilft dies nicht, Â dann muss – bei gebeugtem Oberkörper – eine Faust auf den Oberbauch unterhalb des Brustbeines gelegt werden. Nun wird diese so zu sagen hineingedrückt. Um den Krafteinfluss zu erhöhen können Kinder ihre zweite Faust auf die erste legen umd den Druck zu erhöhen. Wenn beides nichts hilft, empfiehlt es sich im Wechsel zwischen Rücken und Bauch zu drücken bis der Notarzt kommt.
Blutungen stoppen
Vielen  Erwachsenen wird beim Anblick von Blut schlecht. Den meisten Kindern ergeht es hiebei nicht anders: Sie können Blut nicht sehen und reagieren entsprechend. Daher sollte man als Eltern bereits frühzeitig kleine Gelegenheiten nutzen, um den Kindern zu zeigen, wie man Blutungen stoppen kann.
Der Grundsatz hierbei lautet in der Regel, dass man versuchen muss die Blutung durch direkten Druck zu stoppen. Dies kann man mit seinen Kindern bei kleineren Verletzungen oder Nasenbluten üben. Dabei üben die Kinder selber den richtigen Druck auf das entsprechende Gefäß aus, bis die Wunde aufhört zu bluten.
Mit größeren Kindern kann man den Druckverband üben. Kinder benötigen hierzu bereits spezielle motorische Fähigkeiten, da ein Druckverband in der Regel mit umwickeln in Verbindung steht. In Notfällen muss dann ganz klar zu erst der Rettungsdienst verständigt werden und dann die Blutung durch direkten Druck  gestoppt werden.
Personen in Brand
Aus Unachtsamkeit heraus ist schon mancher Brand entstanden. Greift ein Feuer erstmal über, kann es auch schnell Personen erfassen. Einem Kind den richtigen Umgang mit einem Feuerlöscher zu erklären wäre zu kompliziert und sicherlich zu kostspielig. Stattdessen heißt es – wie in jeder Situation – zunächst Ruhe bewahren.
Ein Kind kann eine in Feuer stehende Person darauf hinweisen, dass diese aufhören soll umher zu rennen mit dem Kommando: “Stop!”, gefolgt von den Kommandos “Hinlegen!” und “Rollen!” Diese drei simplen Worte können bereits helfen, dass Schlimmste an Verbrennungen zu verhindern. Ebenso ist darauf zu achten, dass sich Kinder weder der brennenden Person noch einem Brand selbst zu sehr nähern, zumal die meiste Kleidung heute so viel chemische Fasern enthalten, dass man schnell mit Feuer fangen kann.
Gefahr durch Ertrinken
Kinder und Wasser sind bereits ein Kombination für sich. Als Eltern bekommt man schnell Panik, wenn man nur daran denkt, dass das eigene Kind irgendwo ins Wasser fällt und ertrinken könnte. Es stellt sich hier folgerichtig die Frage: Wie sollte ein Kind reagieren, wenn es eine Person in einer solchen Situation sieht?
Fakt ist, dass Kinder in der Regel nicht vor dem vierten Lebensjahr schwimmen lernen. Tatsache ist ebenso, dass ein Kind, welche gerade mal schwimmen gelernt hat und sich gerade so über Wasser halten kann für eine gewisse Zeit, nicht in der Lage sein wird eine andere Person zu retten. Aufgrund dessen sollte ein Kind niemals ins Wasser springen und versuchen jemanden zu retten. Dabei ist es nicht nur eine Frage der Kraft. Es gilt ebenso zu bedenken, dass eine ertrinkende Person eine unheimliche Kraft ausüben kann und den Retter unter Wasser drücken kann.
Ratsamer ist es daher, wenn die Kinder etwas greifen können, was dem Ertrinkenden einen Halt gibt. Optimal sind hierbei Rettungsringe, wobei diese leider nicht immer vorhanden sind. Ansonsten gilt hier: Versuchen Hilfe zu holen oder auf sich aufmerksam zu machen in der Hoffnung, dass jemand anderes helfen kann. Mit dem Alter und zunehmender Sicherheit im Wasser können Kinder lernen, wie sie ertrinkende Personen aus dem Wasser retten können. In der Regel gibt es hierfür spezielle Kurse, in denen man die Grundlagen erlernen kann. Wichtig ist in jedem Fall, dass sich die Kinder niemals selber in Gefahr bringen bei solchen Situationen.
Kein Atem mehr
Wenn eine Person nicht mehr atmet, muss ebenfalls sofort gehandelt werden. Mit jeder Sekunde die ohne Sauerstoff vergeht, steigt das Risiko für bleibende Schäden bis hin zum tot. Hierfür ist sehr hilfreich, wenn man seinem Kind zunächst ein Bewusstsein zum Thema Atmung beibringt. Durch einfaches Fühlen und Luft anhalten, kann man dem Kind zeigen, was Atmung bedeutet.
Anschließend  kann man einem Kind bebringen, wie es richtig reagiert, wenn jemand nicht mehr atmet. Der richtige Schritt in so einem Fall, besteht in einer Herzdruckmassage (auch Herz-Lungen-Wiederbelebung). Das Erlernen dieser Technik gliedert sich in drei einfache Schritte:
- Eine Hand wird mit dem Handballen auf die Mitte des Brustkorbes gelegt.
- Die zweite Hand wird oben auf die erste Hand gelegt und die Finger der beiden Hände greifen ineinander.
- Kräftig 100 Mal die Minute senkrecht nach unten pressen.
Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist dabei nicht mehr notwendig. Viel wichtiger ist die Herz-Druck-Massage, welche sogar schon Dreijährige erlernen können. Ob es immer richtig ist, ist dabei eher zweitrangig, den viel falsch machen kann man hierbei nicht.
Kindern kann man ebenso den Umgang mit Frühdefibrillatoren beibringen, welche man immer öfter an öffentlichen Plätzen finden kann. Das Gerät kann in der Regel problemlos von entsprechend geschulten Laienhelfern eingesetzt werden.
Fazit
Kinder können in vielen Situationen bereits helfen. Dazu muss man ihnen nur ein paar Grundgriffe beibringen. Ob sie dabei immer alles richtig machen spielt dabei ein untergeordnete Rolle. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass sie überhaupt handeln und so unter Umständen wertvolle Sekunden gewinnen bis der Rettungsdienst eintrifft. Nur wer eingreift und handelt, kann am Ende Leben retten.
Auf jedem Handgriff kann man aufbauen und die Fähigkeiten der Kinder weiter schulen. Jeder kann einmal in eine Situation kommen, in welcher er Hilfe benötigt. Â Daher ist es wichtig, dass man seinen Kindern die Grundlagen frühzeitig beibringt und viele Kinder werden einen sicherlich positiv damit überraschen, wie viel sie schon von dem ganzen Thema verstehen. Auch wenn sie nicht alltäglich sind, können sie bei genau dem einen Mal Leben retten.


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