Good Bye Schnuller!
Irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an welchem sich jedes Kind von seinem Schnuller trennen muss. In den ersten Jahren ist der Nutzen eines Schnullers vor allem für uns Eltern hilfreich, aber in so manchen Momenten sehen unsere Kleinen in ihm den größten Tröster. Doch spätestens im dritten Lebensjahr sollte der Schnuller dem Kind abgewöhnt werden, so dass es spätestens zum dritten Geburtstag auch wirklich “schnullerfrei” ist. Das Saugen ist eine kleine Sucht, die zwar harmlos ist, aber ihre Tücken hat. Ein einfacher und dabei sehr wichtiger Grund für ein rechtzeitiges Abgewöhnen vom Schnuller liegt daran, dass sich ansonsten Zahnfehlstellungen und Kieferverformungen bilden können. Diese können später nur noch durch entsprechende kieferchirugische Maßnahmen, wie eine Zahnspange, behoben werden.

Eltern sollten bereits mit der Einführung des Schnullers im Hinterkopf haben, dass dieser bei Zeiten auch wieder abgewöhnt werden muss. Daher sollten Eltern den Schnuller mit dem zunehmenden Alter ihres Kindes auch wesentlich sparsamer einsetzen. Das Kind braucht ungefähr ab seinem ersten Geburtstag nicht mehr die ganze Zeit mit einem Schnuller im Mund herrumlaufen. Demnach sollte der Schnuller wirklich nur noch als Beruhigung zum Einschlafen und in Notfällen genutzt werden. Zu diesen Situationen zählt beispielsweise die Beruhigung mit dem Schnuller als psychologische Schmerzlinderung nach einem schlimmen Sturz. Dies schließt natürlich nicht die je nach Bedarf notwendige Weiterbehandlung bei einem Arzt aus.
Den Schnuller zu entwöhnen erfordert außerdem ein wenig Feingefühl. Wenn möglich sollten Eltern den Schnuller noch vor dem ersten Geburtstag immer öfter durch ein Schmusetuch oder auch durch einen Beißring ersetzen. Auch hier gilt eine sparsame Dosierung, schließlich sollen die Eltern mit ihrer Wärme und ihrer Liebe den Trost spenden können – und nicht irgendwelche Sachen wie Schnuller, Schmusedecken, Beißringe oder Kuscheltiere.
Wir führten ab dem ersten Geburtstag unserer Tochter die Regel neu ein, dass sie tagsüber keinen Schnuller mehr von uns bekam. Die Außnahme bildete dabei nur noch der Mittagsschlaf und natürlich das nächtliche Schlafen. Für uns waren die folgenden Gründe relevant. Zum Einen führt ein “Dauerschnullern” zu einer Entwicklungsverzögerung beim Sprechen. Je länger Kinder mit Schnuller im Mund ihre Zeit vertreiben, desto später und schlechter erlernen Sie das Sprechen. Bestimmte Laute und Töne können mit einem Schnuller einfach beim besten Willen nicht ausgesprochen werden. Wer das nicht glaubt, sollte einmal mit vollem Mund ein paar komplizierte Wörter sprechen oder einen Tischtennisball in den Mund beim Sprechen einführen. Nach wenigen Versuchen wird man gewiss feststellen, dass sich dieses Vorhaben als ziemlich schwierig erweist, wenn die Zunge nicht den vollen Spielraum in der Mundhöhle nutzen kann. Diese Situation ist also mit einem Schnuller im Mund vergleichbar.
Zum Anderen müssen Kinder auch lernen, dass der Schnuller in gewissen Momenten nicht als Tröster oder Ersatzbefriedigung für einfach alles auf der Welt dienen kann. Kinder müssen lernen, wie sie mit ihren Gefühlen richtig umgehen können. Dazu zählen bereits im frühen Alter ganz einfache Emotionen wie Frustration oder Ärger. Ein Schnuller sollte durch die Eltern eigentlich nieamls als Mittel zum Zweck eingesetzt werden. Getreu nach dem Motto “Hauptsache wir haben Ruhe!” machen Eltern einen zentralen Denkfehler. Nicht sie sollten ausschließlich ihre Ruhe haben, sondern das Kind muss lernen, eine Balance zwischen Unterhaltung und Ruhe zu finden. Je früher die Kinder dies lernen, desto weniger Probleme werden die Eltern später haben, wenn ihr Kind älter wird. Kinder müssen irgendwann eigene Strategien entwickeln und lernen mit ihren Gefühlen richtig umzugehen. Aus “Abhängigkeit” heraus dürfen sie nicht jedes Mal auf eine entsprechende Ersatzbefriedigung zurückgreifen.
Doch wie gewöhnt man dem Kind nun den Schnuller am Besten ab? Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Dazu plaudere ich gerne aus dem Nähkästchen. Wie bereits erwähnt ist die richtige Dosierung des Schnullers wichtig. Zuerst sollte er wirklich nur als Tröster eingesetzt werden, nämlich wenn gar nichts mehr geht oder als Hilfe zum Einschlafen. Eine wichtige Regel beinhaltet auch das Aufräumen, denn wenn überall Schnuller in greifbarer Nähe herumliegen, kann das Kind seine Eltern sehr schnell austricksen und zum Schnuller greifen. Ein echter “Schlafplatz” für den Schnuller eignet sich hervorragend für die sinnvolle Erklärung, dass ein Schnuller nicht dauerhaft im Mund bleiben muss. Das Kind sollte dabei gemeinsam mit den Eltern auswählen, an welchem Platz sich der Schnuller tagsüber ausruht. Hierfür eignet sich eine kleine Kiste. Mit der Zeit sollte der Schnuller sich immer öfter ausruhen und zunehmend ganz aus dem Alltag verschwinden. Eltern machen einen Fehler, wenn sie ihrem Kind den Schnuller einfach so von heute auf morgen wegnehmen, ohne dabei etwas zu sagen oder die Gründe verständlich zu erklären. Kinder brauchen Regeln und Rituale, die ihnen relevante Informationen vermitteln und einen Mehrwert aufzeigen. Ein ausgeruhter Schnuller kann wesentlich mehr Beruhigung bringen als ein Schnuller im Dauereinsatz.
Aber je nach Alter und der individuellen Einsicht des Kindes können Eltern die Entwöhnung ganz unterschiedlich angehen. Hier einige Beispiele, die Eltern einzeln und nicht in Kombination verfolgen dürfen:
- Die Schnullerfee: Eltern sprechen mit ihrem Kind darüber, dass es Zeit wird, den Schnuller an die Schnullerfee wieder abzugeben. Das Ziel dabei stellt die freiwillige Abgabe des Schnullers durch das Kind dar. Dabei muss beim Kind ein gewisses Verständnis hierfür vorausgesetzt werden. Bei der Schnullerfee wird der Schnuller des Nachts durch ein Geschenk ausgetauscht. Zu beachten ist hierbei, dass die Eltern mit den Kindern bereits im Voraus über die Schnullerfee reden und ihnen verdeutlichen, wann dieser Tag gekommen ist. Dem Kind hilft ein konkretes Datum zu nennen, wie den letzten Sonntag im Monat, und regelmäßig aufzuzeigen, wie viele Tage noch verbleiben, bis der Schnuller abgeholt wird. Das Kind sollte den Schnuller dann freiwillig an einem ausgewählten Ort vor dem Schlafengehen platzieren. Die Fensterbank eignet sich hervorragend dafür. Über Nacht tauschen die Eltern dann den Schnuller gegen das gewünschte Geschenk aus.
- Der Schnullerbaum: Auch hier setzt man auf die freiwillige Mitarbeit des Kindes und benötigt wie bei dem Beispiel mit der Schnullerfee ein gewisses Verständnis von ihnen. Hierbei dienen andere Kinder als ein Vorbild, wenn sie ihren Schnuller bereits abgegeben haben oder gerade dabei sind ihn abzugeben. Mit der Verabschiedung des Schnullers an den Schnullerbaum erhält das Kind auch hier am Besten anschließend ein Geschenk seiner Wahl. Wo es solche Aktionen und Möglichkeiten gibt, kann man am Besten selber im Internet herausfinden – oder befreundete Eltern verabreden sich für eine gemeinsame Aktion, denn zusammen in der Gruppe kann es für Kinder einfacher sein, sich von den Schnullern zu trennen, wenn alle anderen mitmachen.
- Den Schnuller verschenken: Wenn in der Familie oder im Bekanntenkreis ein Baby auf die Welt kam, kann der eigene Schnuller ein wunderbares Geschenk sein. Natürlich ist dafür wieder die freiwillige Abgabe des Schnullers eine Voraussetzung, aber das freiwillige Geschenk des Schnullers an jemanden, der ihn vielleicht mehr braucht als man selbst, kann auch eine wundervolle Erfahrung für das Kind sein. So kann man sein Kind fragen, ob es dem Baby nicht etwas schenken möchte, was es selber nicht mehr braucht und wozu es mittlerweile zu groß oder zu alt geworden ist. Das eigene Kind darf man nach der Abgabe des Schnullers mit einem altersgerechten Geschenk belohnen.
- Der Schnuller-Verlust: Es gibt Kinder, die gerne mal ihre Sachen verlieren. Diese Tatsache kann man als Eltern ebenfalls nutzen und den Schnuller verschwinden lassen. Eltern sollten ihr Kind direkt darauf hinweisen, dass Dinge manchmal verloren gehen und sich nicht wiederfinden lassen. Anstatt jetzt einen neuen Schnuller zu kaufen, kann man den Verlust des Schnullers auch hier durch ein Geschenk kompensieren. Ferner dürfen Eltern auch hier wieder argumentieren, dass ihr Kind mittlerweile zu alt für einen Schnuller ist und ihn ja vielleicht jemand gefunden hat, der ihn mehr braucht als das eigene Kind.
Der kaputte Schnuller: Eine eher unkonventionelle, aber dennoch recht wirksame Methode stellt die Kürzung des Schnullers an jedem weiteren Tag dar. Das erklärte Ziel ist es, dass die Kinder den Schnuller freiwillig abgeben, da er irgendwann nicht mehr zu gebrauchen ist. Es macht schließlich keinen Spass mehr, so ein kaputtes Ding in den Mund zu nehmen. Auch hier sollte man den Verlust des Schnullers durch ein Geschenk ersetzen. Ein Vorteil hierbei ist, dass man dem Kind den kaputten Schnuller im Zweifelsfall später noch einmal vor Augen führen kann, bevor er dann irgendwann ganz in Vergessenheit gerät.
Persönlich haben wir zur Abgewöhnung vom Schnuller die letzte Methode angewendet. Wir waren der Ansicht, dass unsere Tochter ihren Schlaf-Schnuller nicht freiwillig hergeben würde. Sie verstand jedoch, dass ihr Schnuller kaputt gegangen ist, und wir erklärten ihr, dass sie ihn zu oft benutzt hätte. Am Ende war die fünfte Variante für uns alle erfolgreich und auch unsere Nächte sind seitdem wesentlich ruhiger. Wir müssen nicht immer ein oder zwei Mal in der Nacht selbst aufstehen und im Dunkel der Nacht den Schnuller suchen, weil er sich mal wieder aus dem Mund oder sogar aus dem Bett des Kindes verabschiedet hat.
Am Ende bleibt festzuhalten, dass unabhängig von der gewählten Methode ausreichend Zeit zur Entwöhnung des Schnullers eingeplant werden muss. Dabei sind strenge Regeln und die Disziplin der Eltern gefragt. Denn auch Letztere neigen aus Verzweifelung zu Rückfällen und geben dem Kind in einer kritischen Situation den Schnuller. Das sollte ein klares Tabuthema sein. Hier heißt es eisern zu bleiben und daran zu denken, dass die schnullerfreie Zeit weitaus mehr Vorteile mit sich bringt als die kurze Ruhephase vor dem nächsten Sturm. Ansonsten muss man nämlich alles erneut von vorne beginnen, das Kind feiert seinen persönlichen Triumph über seine Eltern und man selber hat es am Ende nur noch schwerer. In diesem Sinne bleibt nur noch eins zu sagen: Good Bye, Schnuller – es war schön mit dir, aber es ist noch schöner ohne dich!




Ich bin Katharina Schnitzer und schreibe bei Joombee über die Themen, die Eltern wirklich interessieren: Babies, Kinder, die Familie, Spielen, Lernen, Gesundheit, Ernährung, Entwicklung und Erziehung.