Eltern & Familie

Beruf und Karriere – und alles mit einem Kind?

Viele Menschen kennen das Problem: Wie vereine ich den Kinderwunsch mit Beruf und Karriere? Heute erscheint es oftmals schwieriger, seine Sehnsüchte nach familiären und beruflichen Erfolgen miteinander zu vereinen. Dies gilt nicht nur für Frauen, vor allem Männer leiden unter diesem gesellschaftlichen Problem.

Denn je mehr Kinder sich in einer Familie befinden, desto mehr arbeiten die Väter. Bei den Frauen verhält es sich entsprechend umgekehrt. Hier sinkt die Zahl der Arbeitsstunden pro Woche mit steigender Kinderzahl, obwohl der Anteil an Hausarbeit als mindestens gleichwertiger Gegenpol steigt.

Das Phänomen lässt sich sicherlich damit erklären, dass Männer oftmals einfach besser verdienen. Sobald mehrere Kinder in der Familie leben, ist der Vater oftmals darum bemüht, seinen vergleichsweise gut bezahlten Job zu behalten, um seine Familie zu ernähren. Dazu leistet er dann entsprechend ein hohes Maß an Überstunden ab. Sicherlich erhofft er sich dadurch dauerhaft einen Aufstieg in der Firma bzw. mit der Zeit ein besseres Gehalt. Prinzipiell jedoch steht der Erhalt des Jobs im Vordergrund. Doch jede Familie weiß, dass hierbei ein weitaus tiefgründigeres Problem besteht: Familie und Beruf zu vereinbaren ist ohne größere finanzielle Verluste hinzunehmen einfach schwierig.

Aus der Tradition heraus sind Väter die Alleinernährer einer Familie. Das gesellschaftliche Denken, was sich vor allem in Westeuropa durch religiöse Traditionen und die Aufteilung der Ehe in Arbeit und Haushalt entwickelte, trägt ihr übriges dazu bei. Doch heute wollen viele Frauen selbst arbeiten und ihren Teil für die Familie beisteuern. Dieses Vorhaben ist aber nicht immer so einfach. Von Natur aus sind Mütter für ihre Kinder da. Das ist auch gut so. Dennoch sollte eine Frau die Möglichkeit haben, selbst entscheiden zu können, ob und wann sie arbeiten möchte. Dazu muss sie aber die Gewissheit haben, dass ihr eine gute und zuverlässige Kinderversorgung ermöglicht wird.

Genau hier setzt das Problem bezogen auf Deutschland an. Hier besteht unglaublicher Handlungsbedarf von Politik und der Wirtschaft. Für Frauen ist es genauso schwierig nach der Baby-Pause wieder in den Beruf zurück zu kehren. Denn jetzt steht nicht mehr der Job im Vordergrund, sondern das Kind braucht alle Aufmerksamkeit der Welt. Und diese wechselseitige Vereinbarung ist auf dem durch Leistungsdruck geprägten Arbeitsmarkt schwierig. Immerhin sind 40 Prozent der Frauen der Ansicht, dass sich die Situation für berufstätige Mütter in den letzten zehn Jahren nicht verbessert, sondern vielmehr verschlechtert hat.

Ein Problem, weshalb Frauen oftmals im Beruf zurück treten müssen, ist, dass sie durch die Auszeit in ihrer beruflichen Karriere zurück geworfen werden. Ganz nachdem Prinzip: Ohne Erfahrung im Job gibt es kein berufliches Weiterkommen. An sich wird hier sogar der Intelekt vieler Frauen angezweifelt, aber so funktioniert die Arbeitswelt nun mal heutzutage. Doch wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für die Rückkehr in den Job? Dies muss jede Frau am Ende abhängig von der aktuellen Situation für sich selbst entscheiden. Zumindest sind 26% der Frauen der Ansicht, dass nach ungefähr einem Jahr der richtige Zeitpunkt für den Wiedereinstieg ist. Der Rest setzt auf spätere Zeitpunkte, nur wenige sehen wenige Wochen nach der Geburt den Zeitpunkt, um in den Beruf zurückzukehren.

Die Gründe für diese lange Zeit nach der Geburt sind jedoch in den politischen Grundfesten der Gesellschaft zu finden. Die Politik hat dazu beigetragen, dass sich eine solche Auffassung bildete. Auch treffe ich auf Frauen, die sehr gerne nach einem halben Jahr wieder auf Teilzeitbasis im Beruf beginnen möchten. Aber nicht jede Frau hat diese Möglichkeit dazu, weil Teilzeitstellen bei vielen Firmen noch immer als zu exotisch angesehen werden und man trotz qualifizierter und kompetenter Mitarbeiter die Auffassung vertritt, dass eine Arbeitskraft nicht mit ihrer vollen Leistung im Vergleich zu klassischen Vollzeitkräften zur Verfügung steht. Wie ich bereits schrieb, ist die ist Integration von Müttern jedoch ein generelles Problem.

Am Ende bleibt wieder einmal nur ernüchternd festzustellen, dass Familien sehr häufig ein zu geringer Stellenwert in der Gesellschaft beigemessen wird. Leidtragende sind am Ende alle Familienmitglieder, insbesondere Kinder, die oftmals doch zu wenig Zeit mit ihren Vätern verbringen können, oder wenn der Familienhaushalt aufgrund der einzelnen Arbeitskraft der Väter ein geschmälertes Einkommen im Vergleich zu vorherigen Doppelverdienern aufweist. Die finanzielle Unterstützung seitens des Staates in Form des Elterngeldes ist dabei nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein.

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Entwicklung & Erziehung

Werbezielgruppe Kinder im Marketing

Kinder sind konsumkräftige Käuferpotentiale für die deutsche Wirtschaft. Dies verdeutlicht eine aktuelle Studie vom Egmont Ehapa Verlag, die KidsVerbraucherAnalyse 2008 (KVA). Den Ergebnissen zufolge besitzen deutsche Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren über 2,6 Milliarden Euro an Taschengeld nebst Geldgeschenken sowie weiteren 3,8 Milliarden Euro auf ihren Sparkonten. Ferner stehen Teenagern im Alter von zwölf bis neunzehn Jahren über 5,34 Milliarden Euro zur Verfügung. Diese Zahlenwerte sind auf den ersten Blick wirklich sehr beeindruckend. Doch schauen wir etwas genauer hin.

Vor allem bei dem Thema Sparkonto kommt die Frage auf, in wie fern die Kinder bereits Zugriff darauf haben? Ich gehe hier zunächst davon aus, dass viele Eltern für ihre Kinder ein Sparkonto angelegt haben, um ihnen später eine gute Ausbildung oder einfach den Führerschein als erste Meilensteine im späteren Leben als junge Erwachsene zu ermöglichen. Eine Vielzahl der Kinder wird vermutlich keinen Zugriff auf dieses Geld haben und erst mit ihrem 18. Geburtstag das alleinige Verwaltungsrecht über das Konto von der Bank erhalten.

Wieso sind solche Zahlen überhaupt relevant? Nun, für die Werbe- und Marketingindustrie diese Werte sehr interessant. Sie geben Auskunft darüber, wie viel Geld den Kindern in diesem Alter zur Verfügung steht. Die potentielle Konsumkraft spielt hier eine wichtige Rolle, auf die sich Marktanalysten in diversen weiteren Analysen verlassen. So diskutiert unter anderem die EUROFORUM-Konferenz “Kidsworld” darüber, wie man diese kritischen Konsumenten am Besten kommunikativ erreicht. Erfolgreiche Kommunikationskonzepte von Unternehmen wie Adidas, Disney, Burger King oder Metro kommen hier beispielhaft zum Einsatz.

Wenn ich so etwas lese, dann bin ich doch ziemlich gespalten. Einerseits sehe ich die wirtschaftswissenschaftlichen und marketingtechnischen Aspekte. Diese sagen mir, dass der Staat den Konsum braucht, man muss Produkte zielgruppenspezifisch vermarkten und ohne Konsumenten gäbe es keine Unternehmen. Auf der anderen Seite bin ich auch Mutter und wie mein Mann ein kritischer Elternteil. Ich möchte nicht, dass mein Kind von dieser ganzen Werbewelt erschlagen wird. Ich möchte nicht, dass meinem Kind suggeriert wird, dass es Dinge braucht, die es in Wirklichkeit nicht braucht. Sicherlich soll unsere Tochter später ihre Wünsche äußern dürfen. Aber als Elternteil bin ich -so lange das Kind nicht volljährig ist und absolut selbstständig und verantwortlich handelt- mit verantwortlich darüber zu entscheiden, was mein Kind benötigt und was nicht. In unserer heutigen Zeit beeinflussen Kinder sehr stark den Konsum. Sie bestimmen mit, was gekauft und angeschafft wird, wohin die Reise geht oder welche Zukunftspläne eine Familie machen muss. Aber als Eltern möchte man und sollte man dennoch in bestimmten Maß die Kontrolle über endgültige Kaufentscheidungen haben.

Ziel sollte es dennoch sein, seine Kinder schrittweise an einen vernünftigen Konsum heran zu führen. Denn dauerhaft kann man seine Kinder vor der heutigen Werbeflut nicht beschützen. Aber man kann sie dazu erziehen rationale Entscheidungen zu treffen. Hierbei fällt mir ein Satz ein, der mir seit Jahren in Erinnerung geblieben ist:

“Nike, we made you. We can break you”

Dieser Satz zeigt doch die Macht der Konsumenten. Dieser Satz stammt von einem Jugendlichen, der, wie seine Freunde, viel Geld für Nike-Produkte ausgegeben hat – oder vielmehr das Geld seiner Eltern in die Produkte steckte. Während der Sportartikelhersteller gut an den Umsätzen verdiente, lebte die Familie in eher bescheidenen Verhältnissen, jedoch das Markenbewusstsein und die förmliche Abhängigkeit vom Markenartikel wurde gefördert. Neben der Macht des Konsumenten, sich von der Marke abzukehren, demonstriert dieses Beispiel zwei weitere Aspekte:

  1. Hier wurden die tiefgründigen Hintergründe erkannt und gezeigt, dass mit der richtigen Aufklärung auch Jugendliche einen vernünftigen Konsum lernen können – trotz rebellischer Phasen.
  2. Welche Bedeutung Marketing für Teenager und welchen Einfluss die Maßnahmen auf Jugendliche haben.

Um es mit einem warnenden Unterton zu formulieren: Werbung erreicht bereits die Allerkleinsten! Dies geschieht vor allem auch unterschwellig. So bekommt unsere Tochter bereits Sachen von Winnie the Pooh und seinen Freunden geschenkt – Disney lässt grüßen!

Passenderweise findet sich in der Pressemeldung zur EUROFORUM-Konferenz auch folgende Passage:

Werbung setzt in Kinderschuhen an “Gut gemachte Werbung erreicht die Kinder, indem sie so nah wie möglich an der Lebenswelt der Kids ist [...]“, stellt der Vorsitzende der EUROFORUM-Konferenz “Kidsworld” Ingo Barlovic (iconkids & youth international research) fest und trifft damit die Grundlage eines guten Jugendmarketings: Den Jugendlichen zu verstehen.

Genau in diesem Moment wünsche ich mir, dass man Jugendliche nicht nur rein oberflächlich betrachtet und analysiert, sondern auch tiefgründig versteht und ihre Bedürfnisse erkennt. Konsum ist eine Sache. Aber wie sieht es mit den Ängsten und Sorgen über die Zukunft aus? Kinder und Jugendliche brauchen und wünschen sich eine Zukunft in einer Welt, die noch lange erhalten bleibt. Doch eine Produktion von ihren Konsumgütern durch die ärmeren Länder der Welt auf einem niedrigen Niveau ohne Rücksicht auf die Umwelt – genau diese Tatsachen unterstützen das Vertrauen in die Markenhersteller keinesfalls.

Am Ende bleibt mir als Elternteil nur übrig zu sagen: Werbung ist akzeptabel, aber bitte transparent und ohne falsche Versprechen. Und bitte in Maßen und nicht in Massen. Denn die Diskusionen mit unseren Sprösslingen müssen am Ende wir Eltern austragen, warum eine einfache Hose der um ein Vielfaches teureren Markenjeans vorzuziehen ist. Durchgescheuert wird die Kleidung schließlich auch beim täglichen Spielen. Außerdem sparen wir nicht, damit unsere Kinder das Geld für den nächst-besten Müll “verballern”, sondern damit aus ihnen und ihrer Zukunft etwas Besonderes wird. Wenn die Marketing-Industrie genau das schafft, uns Eltern zu unterstützen und die Lust auf die Marke zu steigern, dann können wir gerne weiter reden!

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